Die Geistesgesellschaft
Kritik des Kapitalismus und des Sozialismus

 

"Der Preis der Freiheit ist der Verzicht auf die Bequemlichkeit."

(Dietmar Füssel, österr. Schriftsteller)

 

Die

KONZEPTION

der Geistesgesellschaft beinhaltet eine aktuelle Gesellschaftskritik, aus der eine gesellschafts- und naturwissenschaftlich begründete Zukunftsvision abgeleitet wird, die im Folgenden als Kurzfassung in sieben Thesen präsentiert wird. Die Langfassung ist als Buch erschienen und erhältlich (siehe "Information").

Thesen über eine nachkapitalistische Gesellschaft

 1. Die fundamentalen Grundwerte der menschlichen Existenz, auf denen unsere Vorstellungen von einer Gesellschaft der Zukunft basieren, sind a) Wohlfahrt, b) Wohlfahrt für alle und c) Wohlfahrt für alle, aber nicht um jeden Preis. Was wir dafür brauchen, ist a) eine effiziente Wirtschaft, b) soziale Gerechtigkeit und c) ein nachhaltiger Umgang mit der Natur.

2. Der Kapitalismus ist eine Gesellschaft, in der die Eigentümer des Kapitals, die Kapitalisten, herrschen. Sein innerer Grundwiderspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privatkapitalistischer Aneignung ist die primäre Ursache für seine historische Begrenztheit, die sich in seinen sozialen, ökonomischen und ökologischen Krisen äußert. In der kapitalistischen Marktwirtschaft geht a) Profit für eine Minderheit vor Bedarfsdeckung für alle, b) privilegierte Aneignung (nach dem Eigentum) vor gerechte Verteilung nach der Leistung und c) Raubbau an Mensch und Natur vor ökonomische, soziale und ökologische Effizienz (= Verlustlosigkeit). Die Grundwerte der menschlichen Existenz können so niemals in ein nachhaltig stabiles Gleichgewicht gebracht werden und zwar nicht, weil der Stärkste das größte Stück vom Kuchen bekommt, sondern weil er (fast) allein über die Verteilung des Kuchens bestimmt.

3. Der Sozialismus ist ebenfalls eine Klassengesellschaft mit der herrschenden Klasse der Partei- und Staatsfunktionäre. Auch sein politökonomisches Wesen ist das Kapital. Da das so genannte Volkseigentum tatsächlich Staatseigentum ist und sich dieses in der alleinigen Verfügungsgewalt der herrschenden Funktionärsklasse befindet, ist der Sozialismus staatsmonopolistischer Kapitalismus, dessen innerer Grundwiderspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und staatskapitalistischer Aneignung die primäre Ursache für seine historische Begrenztheit ist, die sich in seinen sozialen, ökonomischen und ökologischen Krisen äußert. Auch im Sozialismus können die Grundwerte der menschlichen Existenz niemals in ein nachhaltig stabiles Gleichgewicht gebracht werden, weil auch hier ökonomische Effizienz, soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit allenfalls eine Gnade der Herrschenden und kein Recht aller mündigen Bürger/innen sind.

4. Die Alternative zum Kapitalismus kann deshalb nicht der Sozialismus sein, sondern nur eine klassenlose, von Ausbeutung (= ungerechter Aneignung) freie Gesellschaft, in der a) ökonomische Effizienz, b) soziale Gerechtigkeit und c) ökologische Nachhaltigkeit eine in sich geschlossene, dialektische Einheit bilden und nicht mehr das Geld, sondern der Mensch im Zentrum seiner eigenen Vergesellschaftung steht.

5. Die Voraussetzung zum Aufbau einer klassenlosen, von Ausbeutung freien Gesellschaft ist eine hinreichend hohe materielle Reife der gesellschaftlichen Produktion als objektive Bedingung und eine hinreichend hohe geistige Reife der Gesellschaft als subjektive Bedingung. Während der hoch entwickelte Kapitalismus (wie in Deutschland) die objektive Voraussetzung bereits hinreichend erfüllt hat, ist die subjektive weltweit noch sehr unreif (was von den Herrschenden bewusst so gewollt ist).

6. Der Weg in die klassenlose, von Ausbeutung freie Gesellschaft führt historisch notwendig durch die hoch entwickelte kapitalistische Marktwirtschaft und durch einen Reifeprozess des gesellschaftlichen Bewusstseins, unseres bewussten Seins, was im Wesentlichen gleichbedeutend ist mit der Umwandlung unserer derzeitigen Zuschauer-Demokratie in eine Teilnehmer-Demokratie und mit der schrittweisen Verwirklichung der bewussten Selbstbestimmung aller mündigen Bürger/innen in ihren eigenen ökonomischen und politischen Angelegenheiten.

7. Das Ziel der gesellschaftlichen Entwicklung (eines Teils) der Menschheit – ein Leben in selbstbestimmten Gemeinschaften – ist aus der Sicht der biologischen Evolution der Primaten gleichbedeutend mit dem Ziel, die Menschwerdung des Affen abzuschließen. Beides sind (historisch und biologisch) gesetzmäßige und somit notwendige und unvermeidliche Prozesse. Die Frage ist also nicht ob, sondern wann wir die letzten Reste unseres tierischen Haarkleides abstreifen werden. Wir Affenmenschen werden umso schneller zu Vernunftmenschen ("homo sapiens"), je eher wir massenhaft unser von der Evolution über Jahrmillionen vorbereitetes Bewusstsein, unseren Verstand, unsere Vernunft, unseren Geist mobilisieren. Ich nenne diese vollkommen neue Qualität der Vergesellschaftung der Menschen auf der Basis bewusster Selbstbestimmung deshalb vorläufig Geistesgesellschaft und erinnere an den Leitspruch der Aufklärung:

"Sapere aude!"

"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"